Husten im Heu

Wenn Pferde „Asthmatiker“ werden


Pferde
Foto: Heck / DGK

Jedes vierte Pferd in der Schweiz leidet an einer Atemwegserkrankung, jedes zehnte unter Asthma. Nach Ansicht von Dr. med. vet. Vinzenz Gerber, Wissenschaftler vom Departement klinische Veterinärmedizin in Bern, sind die Haltungsbedingungen der Hauptgrund. Pferde verbringen einen Großteil ihres Lebens im Stall, wo sie atemwegsreizenden und allergenen Stoffen aus dem Heu- und Strohstaub ausgesetzt sind. „Empfindliche, vor allem erblich belastete Tiere entwickeln dann oft das sogenannte Pferdeasthma“, sagt Gerber. Der Begriff „Asthma“ wird in Deutschland weniger benutzt. Hierzulande sprach man vielmehr von Asthma bronchiale, chronisch obstruktiver Bronchitis (COPD, chronic obstructive pulmonary disease) oder auch von „Dampf“ oder „Dämpfigkeit“.

Heutzutage wird diese Erkrankung als rezidivierende Atemwegsobstruktion (RAO) bezeichnet. Ein Lungenemphysem stellt das Endstadium einer RAO dar. Dabei kommt es zum Platzen der Lungenbläschen und zur Erweiterung der Lunge, wobei die Atemfläche kleiner wird. Da die eingeatmete Luft durch den Verlust der Lungenelastizität nicht mehr ausgestoßen werden kann, muss die Muskulatur der Bauchwand zum Ausatmen zu Hilfe genommen werden. Dies wird sichtbar durch die sogenannte Dampfrinne an der seitlichen Bauchwand, eine Einkerbung zwischen Bauchmuskel und Rippenbogen. Die Pferde haben einen trockenen und wahrscheinlich auch qualvollen Husten. Die Krankheit ist durch kombinierte Therapieansätze zu kontrollieren.

Asthma-Warnzeichen, wie vereinzeltes Husten, werden von den Besitzern oft unterschätzt. So kann es dazu kommen, dass ein Pferd, das einst Spitzenleistungen im Sport erbrachte, mit der Zeit in der Leistung nachlässt, immer öfter hustet, Nasenausfluss zeigt und schließlich schon in Ruhe eine pumpende Atmung und Atemnot entwickelt.

Erkrankte Tiere müssen mit starken Entzündungshemmern, Bronchialkrampf lösenden Medikamenten und Schleimlösern behandelt werden. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch eine konsequente Haltungsverbesserung, um eine dauerhafte Gesundung der Pferde zu sichern. So sollte Heu durch andere Raufuttermittel ersetzt werden, in einzelnen Fällen kann auch eine speziell allergenarme Einstreu, beispielweise Hanf oder Späne, notwendig sein. Die Fütterung sollte vor allem staubarm sein. Zudem sollte der vierbeinige Patient möglichst viel Zeit an der frischen Luft verbringen. Häufiger Koppelbesuch, Offenstall oder Außenboxen mit Paddocks sind eine gute Alternative zum geschlossenen Stall.

Untersuchungen ergaben: Asthma ist genetisch bedingt. Der Nachwuchs eines erkrankten Tieres hat ein ungefähr fünffach erhöhtes Risiko, auch an Pferde-Asthma zu erkranken, als andere Pferde.

Die gute Seite: Gleichzeitig scheinen asthmaanfällige Tiere besser gegen Darmparasiten geschützt zu sein. Die Forscher der Berner Pferdeklinik entdeckten ein sogenanntes Kandidaten-Gen in einer Chromosomenregion, die mit dem Asthma in Verbindung gebracht wird. Dieses Gen spielt auch eine wichtige Rolle bei der Abwehr gegen parasitäre Würmer. Die Nachkommen eines Hengstes mit Pferdeasthma scheinen also resistenter gegen Darmparasiten zu sein. Das Risiko dafür war bei ihnen etwa 25 Mal kleiner als bei anderen unter denselben Bedingungen gehaltenen Pferden.


Quellen:
Asthma beim Pferd – Krankheitsgene und parasitäre Würmer, UniPress 138/2008 (www.kommunikation.unibe.ch/)
Neuer Lungenfunktionstest für Pferde. Wenn dem Pferd die Luft ausgeht..., UniPress 119/2003 (www.unibe.ch/)

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